Zum Inhalt

Wer fährt?

Von Münster auf Dortmund-Ems- und Mittellandkanal nach Bad Essen – 102 km – 1 Schleuse – 9,75 h

10. Juni 2019: Von Münster bis zum Stichkanal Ibbenbüren – 44 km – 1 Schleuse – 4,75 h

Ab jetzt geht’s wieder bergab. Die erste Schleuse hinter Münster (Schleuse Münster) senkt uns 6,2 m nach unten und macht uns große Freude, weil sie Schwimmpoller hat – eine deutliche Verbesserung gegenüber den Schleusen auf dem Wesel-Datteln-Kanal, wo es nur feste Nischenpoller gab und man die Leinen mehrfach umlegen musste.

Parallel zur bestehenden Kanalbrücke  über die Ems auf dem Dortmund-Ems-Kanal wird gerade eine neue gebaut
Neubau der Kanalbrücke über die Ems

Wir passieren die Stelle, an der es vor ein paar Tagen eine blöde Havarie gab. Ein Frachtschiffkapitän hatte vergessen, sein Steuerhaus vor der Brücke abzusenken. Das Dach vom Steuerhaus wurde abgerissen und fegte auch gleich noch das auf Deck stehende Auto von Bord – acht Stunden Kanalsperrung wegen Bergungsarbeiten.

Zwei Brücken direkt hintereinander auf dem Dortmund-Ems-Kanal, die eine etwas niedriger als die andere
Havariestelle – die hintere Brücke war zu niedrig!

Ansonsten geht der Kanal genauso langweilig weiter wie vor Münster. Wegen des Feiertags (Pfingstmontag) ist aber wenig Verkehr. Natürlich kommen uns an der baustellenbedingten Engstelle trotzdem zwei Frachtschiffe entgegen, und wir müssen zurücksetzen und sie passieren lassen.

Kurz darauf begegnet uns ein Wohnboot, das uns ausnehmend gut gefällt. Der Name, Dagens 2, kommt mir bekannt vor. „Sind das nicht die mit dem Blog?“ frage ich Thomas. Er guckt nach, und ja, tatsächlich. Das Schweizer Ehepaar lebt wie wir ganzjährig auf dem Boot und führt einen Blog über seine Reisen, in den wir ab und zu reinschauen. Auch ein lustiger Zufall!

Was uns sehr gut gefällt am Dortmund-Ems-Kanal, sind die zahlreichen Halteplätze. Im Prinzip überall, wo an den Spundwänden Liegeplätze für Frachtschiffe vorgesehen sind, und davon gibt es viele, gibt es auch einen kleinen Abschnitt für Sportboote. Aufgrund der Geschwindigkeitsbeschränkung für Berufsschiffe hält sich der Schwell in Grenzen. Eine gute Alternative zu den ohnehin nicht zahlreichen Yachthäfen.

Das nasse Dreieck ist eine T-Kreuzung - geradeaus führt der Dortmund-Ems-Kanal weiter, rechts geht es zum Mittellandkanal ab
Das nasse Dreieck – hier geht es nach rechts in den Mittellandkanal ab

Am „nassen Dreieck“ biegen wir rechts in den Mittellandkanal ein. Zwei Kilometer später haben wir auch schon den Altarm (Stichkanal Ibbenbüren) erreicht, auf dem wir heute übernachten wollen. Grillwetter, beschließen wir, und so improvisiere ich aus der geplanten Pasta mit Gemüse einen Nudelsalat, zu dem Thomas uns später einen leckeren Haloumi rausgrillen wird. Vorher schwingt er sich aber noch aufs Rad und bringt Fotos von Kornblumen, Lamas und einem Kloster mit zurück.

Kornblumenfeld
Kornblumen
Frisch geschorene Lamas gucken über ein Gatter
Lamas
Kloster Gravenhorst
Kloster Gravenhorst
Thomas mit Grimasse am Grill
Mit Anzünden des Grills fängt es natürlich an zu regnen – Herr Dr. D. ist fad!
Liegeplatz im Grünen auf dem Ibbenbürener Stichkanal, einem aufgelassenen Stichkanal des Mittellandkanals bei Ibbenbüren
Superruhiger Liegeplatz

11. Juni 2019: Von Ibbenbüren nach Bad Essen – 58 km – 5 h

Bin ich die einzige, die den Geruch von blühendem Liguster widerlich findet? Aber dazu später. Zunächst am frühen Morgen eine Schrecksekunde. Wir sind seit zehn Minuten auf dem Mittellandkanal unterwegs, und ich bin gerade unter Deck, die Hunde füttern. Plötzlich ruft mich Thomas dringlich nach oben. „Die Steuerung funktioniert nicht mehr!“ Mit Panik in Blick und Stimme dreht er wild am Steuerrad. Es kommt uns ein großes Frachtschiff entgegen. Ich werfe einen Blick auf die Steuerungsanzeige. AUTO steht da. Ich muss lachen. Thomas hat die Fernbedienung für den Autopiloten, die ich ihm bei der Steuerübergabe in die Hand gedrückt habe, neben das Steuerpult gelegt. Seit fünf Minuten lenkt er nun vermeintlich das Boot mit dem Steuerrad, während tatsächlich der Autopilot die Kiste steuert. Ich stelle giggelnd den Autopiloten aus und gehe wieder nach unten. Auch Thomas muss nun sehr lachen – ist halt noch früh am Morgen.

Kind in einem Auto auf einem Kinderkarusell
Thomas steuert das Schiff (Symbolbild)
Der Mittellandkanal, gerade wie eine Autobahn, zu beiden Seiten von Nadelwald eingerahmt
Voll spannend hier – NICHT!

Ungefähr die ersten 30 Kilometer des Mittellandkanals sind so fad, dass wir uns drum streiten, wer abspülen darf. Ich gewinne und zögere den Abwasch möglichst lang hinaus, indem ich die Kaffeemaschine grundreinige und hingebungsvoll poliere. Nach der Abzweigung des Stichkanals nach Osnabrück wird es ein bisschen interessanter. Wir würden ja auch gern Osnabrück mitnehmen, weil wir da noch nie waren, aber mit dem Sportboot kann man leider nicht nah genug an die Stadt ranfahren.

Hier zweigt der Stichkanal Osnabrück vom Mittellandkanal ab
Rechts geht es in den Stichkanal nach Osnabrück
Alte Bauernhäuser am Rand des Mittellandkanals
Hier ist es schon hübscher
Schöne grüne Ufer am Mittellandkanal
Oder hier – auch hübsch
Gelbe Sumpfschwertlilien neben Huflattich und Schilf am Ufer des Mittellandkanals
Sehr viele Sumpfschwertlilien am Ufer

Wir passieren etliche Verladestellen. Es wird weit überwiegend Schüttgut verladen, und mir wird wieder einmal bewusst, welch hohen Stellenwert der Gütertransport zu Wasser für die Verkehrslogistik hat. Man stelle sich vor, der Inhalt nur eines einzigen Frachtschiffes müsste auf anderem Wege quer durch Europa transportiert werden! Mein Vater hat mir kürzlich geschrieben, laut einer aktuellen Klimastudie soll der Rhein im Jahr 2050 nicht mehr schiffbar sein. Kein schöner Gedanke.

Verladestelle für Steine und Sand am Mittellandkanal
Klassisches Schüttgut: Steine, Sand und Erde
Sortier- und Verladestation für Metallschrott am Mittellandkanal; ein Bagger belädt ein Frachtschiff
Auch Metallschrott wird gerne auf dem Wasser transportiert

Wie schon öfter auf unserer Reise fahren auch heute ab und zu ein paar Bachstelzen auf dem Boot mit. Zum Glück habe ich mir angewöhnt, die große Kamera mit dem Teleobjektiv griffbereit neben mich zu legen.

Bachstelze auf großem Ast, der auf unserem Vordeck liegt
Bachstelze auf dem Hundeholz auf dem Vordeck
Frachtboot Spree liegt tief im Wasser des Mittellandkanals
Die SPREE – da wollen wir auch noch hin…

Am frühen Nachmittag treffen wir in der Marina Bad Essen ein. Das Hafenbecken ist ganz neu, aber ziemlich klein, die Einfahrt deswegen durchaus anspruchsvoll. Es ist noch Baustelle hier, aber trotzdem sehr sympathisch. Man gibt sich riesige Mühe, den Bootstourismus zu fördern – wie sich auch der ganze Ort riesige Mühe gibt. Bad Essen hat ein paar wirklich tolle alte Fachwerkhäuser aufzuweisen, etwa zehn Fußminuten vom Hafen entfernt (mit Rollmops doppelt so lang).

Leider gab es einen Zeitpunkt in der Stadtentwicklung, wo man kein Störgefühl dabei hatte, die vielen, vielen Baulücken mit grauenvollster Billigarchitektur zu füllen. Toskana-Hacienda-Style goes Ärztehaus. Gelbe Klinker-Bungalows waren auch gern genommen. Und dann der verdammte Liguster überall – mir ist schon schlecht, bevor ich das erste Fachwerkhaus erreiche.

Bad Essen - historisches Zentrum mit Fachwerkhäusern
Die Gastro-Zeile
Der Kirchplatz mit Fachwerkhäusern in Bad Essen
Kirchplatz
Weitere große Fachwerkhäuser in Bad Essen
Noch mehr Fachwerk
Marina Bad Essen mit neuer Wohnanlage im Hintergrund
Liegeplatz Marina Bad Essen
Wie Samenkapseln geformte, geschützte Sitzplätze ziwschen der Marina Bad Essen und dem Mittellandkanal
Die organisch geformten Sitzkapseln sind sehr hübsch, bieten aber viel Schmierfläche für die örtlichen Pubären
Published inDeutschlandRouten

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.