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Umzug nach Grau-du-Roi

Die Fahrt nach Norden steht unter keinem guten Stern – wir hängen schon wieder fest!

In Aigues-Mortes setzen Thomas und ich uns zusammen und planen den nächsten Streckenabschnitt. Das ist gar nicht so einfach. Von hier aus sind es nur noch 24 km bis zur Petit Rhône. Auf der Petit Rhône würden wir nach weiteren 20 km bei Arles die Rhône erreichen. Auf der Petit Rhône und vor allem dann auf der Rhône sind die Anlegemöglichkeiten äußerst rar, deswegen können wir nicht einfach ins Blaue hinein losfahren.

Leider wissen wir auch null, mit welcher Reisegeschwindigkeit wir planen können. Rhône abwärts waren wir letzten Winter superflott, denn die Fließgeschwindigkeit der Rhône ist beträchtlich. Wie das flußaufwärts sein wird, können wir überhaupt nicht abschätzen, zumal unsere Antriebsschrauben zwar dank Diego und seinem Spachtel ohne Bewuchs sind, aber für einen optimalen Vortrieb auf dem Trockendock glattpoliert werden müssten. Wir gehen mal von einer Reisegeschwindigkeit von 5 km/h aus.

Bei der hohen Luftfeuchtigkeit gibt es in Aigues-Mortes gerne mal Morgennebel
Morgennebel in Aigues-Mortes

Wir beschließen, noch einmal vor der Schleuse St-Gilles zu übernachten und am nächsten Tag früh aufzubrechen. Dann können wir wahrscheinlich die 20 km auf der Petit Rhône und weitere 14 km auf der Rhône bis zur ersten Anlegemöglichkeit in einem Rutsch durchziehen. Zumindest gehen wir davon aus, dass wir an der Schleuse Vallabrègues bei Beaucaire über Nacht bleiben können.

Aber wie wird eigentlich das Wetter? Nach unserer Planung bräuchten wir ein Fenster von drei Tagen, bis wir wieder einen Hafen erreichen, in dem wir schlechtes Wetter aussitzen können. Mist! Am Montag gibt es Nordwind mit Böen bis zu 90 km/h – da wollen wir auf keinen Fall auf der Rhône unterwegs sein, und schon gar nicht Richtung Norden. Wir müssen also mindestens bis Dienstag warten.

In Aigues-Mortes gibt es sehr viele Stechmücken!
Thomas sammelt Trophäen

Da es uns in Aigues-Mortes zu schwül und zu Moskito-lastig ist und wir auch nicht sicher sind, ob wir in unserer Mini-Parklücke bei Starkwind nicht doch mit dem Nachbarboot in Kontakt kommen, beschließen wir, ins nahegelegene Grau-du-Roi umzuziehen. Der dortige Seehafen Port Camargue ist riesig, und man bestätigt uns telefonisch, dass genug Platz für uns ist.

Mit Hilfe der Seitenstrahlruder schaffe ich es, die A.W.O.L. halbwegs aus der Parklücke zu bugsieren, bevor der Heckseitenstrahler den Geist aufgibt. Das beunruhigt uns zunächst nicht groß, weil wir wissen, dass die Batterien ein wenig unterdimensioniert sind. Bis zum nächsten Anlegen laden sie sich normalerweise wieder ausreichend auf.

In Grau-du-Roi sind wieder zwei Brücken zu passieren, die nur zu festen Zeiten geöffnet werden. Ein bisschen blöd ist, dass es vor den Brücken keine Warte-Pontons oder andere Anlegemöglichkeiten gibt, so dass man die Wartezeit dümpelnd verbringen muss. Die Fahrt durch Grau-du-Roi und die Ausfahrt ins Meer sind ausgesprochen malerisch. Wir queren 2 km durch die Bucht und erreichen zügig den Port Camargue.

Eine kleine Werft im Binnenhafen von Grau-du-Roi
Im Binnenhafen von Grau-du-Roi
Die Drehbrücke ist eine von zwei Brücken, die man auf der Durchfahrt von Grau-du-Roi passieren muss
Die Drehbrücke öffnet sich
Vom Kanal her gesehen sieht Grau-du-Roi äußerst malerisch aus
Grau-du-Roi sieht schwer romantisch aus

Was ist denn jetzt schon wieder?

Beim Anlegen am Steg der Capitainerie stelle ich fest, dass der Heckseitenstrahler nach wie vor nicht funktioniert. Etwas irritiert bin ich auch, dass sich der Backbordmotor erst nach mehreren Versuchen abstellen lässt. Verdammt, was ist denn jetzt wieder kaputt? Nachdem ich bei der Capitainerie die Papiere abgegeben habe und man uns den Liegeplatz zugeteilt hat, will ich die Motoren wieder anlassen. Die Backbord-Maschine tut keinen Mucks. Thomas misst die Spannung an den zuständigen Batterien und stellt fest, dass sie so gut wie tot sind. Wir vermuten stark ein Problem mit der Lichtmaschine.

Unser Liegeplatz im Port Camargue bietet einen sehr schönen Ausblick
Port Camargue: Ausblick vom Boot bei Sonnenaufgang

Die Jungs von der Capitainerie bugsieren uns mit Hilfe ihres hochmotorisierten Schlauchboots in die uns zugeteilte Box. Immerhin, der Liegeplatz hat einen fantastischen Ausblick! Gut ist auch, dass in diesem riesigen Hafen viele Reparaturbetriebe angesiedelt sind, und wir kontaktieren jemanden, der sich mit IVECO-Maschinen auskennt. Der stellt in Aussicht, am Mittwoch oder Donnerstag mit zwei frischen Batterien und einer neuen Lichtmaschine bei uns zu erscheinen. Na super, wieder eine Woche in Südfrankreich rumgebracht, während wir jetzt eigentlich schon auf dem Canal Rhône au Rhin sein wollten. Langsam keimt in mir der Verdacht auf, dass Andrea und Matthias uns sabotieren. Die beiden haben angesichts der Aussicht, Silvester in Rotterdam zu verbringen, verdächtig wenig Euphorie gezeigt…

Am Wochenende wird an der Promenade im Port Camargue sehr viel geangelt
Port du Camargue: Angler bei Sonnenuntergang
Published inFrankreichRouten

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