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Rein in den Rhein!

Von Wijk bij Duurstede nach Rees auf Niederrhein und Rhein flussaufwärts

31. Mai 2019: Wijk bij Duurstede bis De Bijland bei Tolkamer – 63 km – 9 h – 2 Schleusen

Als wir morgens in Wijk bij Duurstede aufbrechen, haben wir es nicht besonders eilig, denn wir wollen nur bis Arnheim, das sind 42 km und zwei Schleusen. Die erste Schleuse kostet uns allerdings gleich mal eine volle Stunde. Es ist hier auf dem Niederrhein echt wenig Frachtverkehr, deswegen ist es einfach Pech, dass zeitgleich mit uns ein riesiges Tankschiff hochgeschleust werden möchte. Danach flutscht es aber ganz gut, auch wenn wir gegen die Strömung kaum mehr als 8 km/h auf die Uhr bekommen.

Wir liegen mit einem riesigen Tankschiff, der Desirade, zusammen in der Schleuse
Mit der dicken Desirade in der Schleuse

In Arnheim haben wir uns als Hafen eine kleine Werft (Watersportcentrum Arnhem) ausgesucht, die auch ein paar Gastliegeplätze anbietet. Die liegt recht zentral, und wir würden hier gern einen Pausentag machen, um uns Arnheim anzuschauen. Leider werden weder unsere eMails noch unsere Anrufe beantwortet. Als wir gegen vier Uhr nachmittags dort ankommen, ist auch klar, warum. Die Anlage ist geschlossen wegen Versandung. Es steht nur ein riesiger Schwimmbagger in der Einfahrt und baggert.

In Arnheim gibt es sehr viele schwimmende Wohnhäuser auf dem Fluss
Schwimmende Siedlung in Arnheim
In der Bucht, in der eigentlich unser heutiger Hafen in Arnheim sein sollte, steht nur ein Schwimmbagger
Hier hätte der Hafen sein sollen…
Auf dem Pfeiler der Nelson Mandela Brug in Arnheim befindet sich ein Graffiti von Nelson Mandela - wie passend
Die Nelson Mandela Brug ist passend illustriert
Der städtische Quai von Arnheim mit der Uferpromenade
Quai von Arnheim

Die städtischen Quais sind ausschließlich für Kreuzfahrtschiffe reserviert – viele hundert Meter lang. Das erscheint uns im Hinblick auf die Tourismusplanung recht optimistisch. Wir fahren also weiter zum alternativen Hafen, der allerdings nicht so zentral liegt, ganz im Gegenteil. Wir finden eine unattraktive Steganlage hinter einem noch unattraktiveren Gewerbegebiet vor. Nö, beschließen wir, das brauchen wir nicht, und fahren weiter.

Der Yachthafen von Arnheim liegt ungeschützt in einem hässlichen Gewerbegebiet
Reizt uns nicht sonderlich, der Yachthafen von Arnheim

Thomas macht sich mit Hilfe von Wasserkarte, Wateralmanak und Google Earth auf die Suche nach dem nächsten Hafen, während ich weiter den Fluß hinauftuckere. Tja, hier rächt sich unsere Spontanität mal wieder. Es gibt keine Anlegemöglichkeit mehr auf dem Niederrhein. Der nächste Hafen liegt am Rhein, bei Tolkamer. Umkehren wollen wir jetzt auch nicht mehr, also beissen wir in den sauren Apfel und fahren noch zwei Stunden weiter. Das ist der Vorteil, wenn man im Sommer auf Tour ist – man kann auch mal länger unterwegs sein, ohne den Einbruch der Dunkelheit befürchten zu müssen.

Wir biegen gegen sechs Uhr in den Rhein ein, und nach zwei Kilometern geht es über eine winzige, schwer zu erkennende Einfahrt in den See De Bijland ab. Ganz hinten auf dem See liegt der Yachthafen De Bijland. Der Hafen ist nicht groß, hat aber ziemlich viele Liegeplätze – entsprechend dicht gedrängt stehen die Boote. Das Ganze verströmt Campingplatz-Atmosphäre, aber durchaus sympathisch.

Die Zufahrt zum See de Bijland ist schmal und führt unter einer Brücke durch
Hier geht’s rein

Es ist Freitagabend, und für das Wochenende sind Temperaturen bis 33° C vorgesagt. Wegen der Hunde müssen wir darauf achten, dass es im Boot nicht zu heiß wird. Für die Klimaanlage brauchen wir einen vernünftigen Stromanschluss. Also beschließen wir, bis Montag hierzubleiben, zumal meine Erkältung sich gerade in Richtung grippaler Infekt entwickelt.

Blick über den abendlichen Yachthafen de Bijland - die Boote stehen dicht an dicht
Yachthafen de Bijland – recht dicht gedrängt alles

Der Hafen ist fest in Ruhrpott-Hand. Der Parkplatz steht voller aufgemotzter Karren mit Essener, Dortmunder, Gelsenkirchner, Bochumer und Recklinghausener Kennzeichen. Abends schallt bis spät die Mucke übers Wasser, und morgens werden größere Mengen Leergut vom Boot zum Auto geschleppt. Mit meinen beim letzten Friseurbesuch etwas zu breit geratenen blonden Strähnchen füge ich mich nahtlos ein ins Bild.

Sonnenuntergang mit kitschigen Farben über dem Yachthafen de Bijland
Die Sonne geht auf der richtigen Seite unter

Wieder einmal haben wir sehr nette Schweizer Nachbarn – #dieSchweizistueberall -, die genau die umgekehrte Strecke fahren wie wir. Das ist sehr praktisch, denn so können wir uns gegenseitig mit Tipps zu Häfen und lohnenswerten Stopps versorgen. Wir verbringen das in der Tat sehr heisse Wochenende mit kleineren Bootsarbeiten und Grippe auskurieren. Thomas baut zum Beispiel einen neuen Scheibenwischermotor ein und versorgt weitere Roststellen. Ich liege die meiste Zeit im Bett und stehe eigentlich nur für Hundespaziergänge und das fade Champions League Finale auf.

Der See de Bijland ist ruhig und idyllisch. Vor der kleinen Insel dümpelt ein Minihausboot "Happy Floß"
Seeidylle mit Minihausboot „Happy Floß“
Hinter einer Reihe von Bootshäuschen befindet sich im Yachthafen de Bijland ein kleiner Sandstrand, der für Lisbeth ideal zum Spielen und Baden ist
Lisbeths Strand

Am Sonntagabend leert sich der Hafen schlagartig. Die blondierten Gattinnen werden nebst ihren West Highland Terriern und dem Leergut im Wert einer Sonnenbank-Zehnerkarte in den Pott zurückchauffiert, und es kehrt Ruhe ein. Wobei, Ruhe ist relativ, man hört jetzt, dass doch auch ein paar Holländer ihre Schiffe in diesem Hafen liegen haben. Aber diese Art von Lärm sind wir ja nun gewöhnt. Spätabends gibt es noch ein fettes Gewitter mit Platzregen.

3. Juni 2019: Von De Bijland nach Rees (Yachthafen WSV Xanten) – 27 km – 4,5 h

Blick zurück über den Yachthafen de Bijland bei der Ausfahrt
Tschüß De Bijland, war nett hier!

Montag um zehn brechen wir dann wieder auf. Als wir von der Hafenzufahrt in den Rhein einbiegen, ist es recht voll dort. Und sofort versucht wieder ein Frachtschiff, uns beim Überholvorgang unterzupflügen. Diesmal aber ernsthaft. Ich halte mich soweit rechts, wie es geht, aber die Buhnen reichen dort sehr weit in den Fluss, und zwischen den Buhnen entsteht eine fiese Strömung mit Strudeln. Der voll beladene Kohlefrachter drückt uns mit seiner Bugwelle immer weiter Richtung Buhnen, und es fehlt nicht viel, dass wir auflaufen. VAYA CON DIOS lese ich auf seinem Bug. Wenn ich nicht so gestresst wäre, müsste ich lauthals lachen!

Der Kohlefrachter VAYA CON DIOS überholt uns sehr nah
Vaya selber con dios, Alter!

Ich würde ja vom Gas gehen, damit der Kübel schneller vorbei ist, aber dann fehlt mir der Schub, um gegen die Strudel zu lenken. Wir befinden uns bereits im hinteren Drittel des Kohlekahns, da fängt er an, uns anzusaugen. Wir haben zwar schon von dem Phänomen gehört und gelesen, aber wir waren noch nie nah genug an einem Frachter dran, um es am eigenen Leib bzw. Rumpf zu spüren. Wir wiegen ja immerhin zwanzig Tonnen, aber nur unter vollem Einsatz beider Seitenstrahler gelingt es mir, dem Sog standzuhalten. Als wir endlich das Heck von VAYA CON DIOS aus Werkendam/NL sehen, habe ich Puls!!!

Ab da weiche ich in den Außenkurven, wenn der Gegenverkehr es zulässt, bei jedem voll beladenen Kahn in die Flussmitte aus und lasse ihn an Steuerbord passieren. In der Mitte merkt man allerdings sofort, warum die Frachtschiffe um jeden Meter kämpfen, den sie in den Außenkurven näher am Ufer fahren können. Die Gegenströmung wird massiv stärker, je näher man an die Innenkurven kommt. Unsere Geschwindigkeit über Wasser reduziert sich um bis zu 50%! Das hat aber den Vorteil, dass der Überholvorgang schneller abgeschlossen ist.

Am frühen Nachmittag biegen wir rechts in die Flutmulde und von da aus in einen kleinen See ein, an dessen Ende sich der Wassersportverein Xanten befindet. Der Hafen hat nur eine einzige Steganlage, ist also überschaubar. Weil wir nur eine Nacht da sind, dürfen wir direkt am Clubhaus liegenbleiben. Es ist richtig nett hier, und der Empfang ist sehr herzlich. Wir befinden uns direkt gegenüber von Rees am anderen Rheinufer.

Blick vom Ufer auf den kleinen Yachthafen WSV Xanten
Am Clubhaus angedockt

Rees ist eine richtig alte Stadt, von der allerdings nur ein marginaler Teil die Bombadierung durch die Alliierten in 1945 überstanden hat. Trotzdem scheint es sehenswert zu sein, denn es liegen mehrere Kreuzfahrtschiffe an den Quais. Unweit unseres Hafens fährt eine Personenfähre über den Rhein nach Rees. Leider nicht am Montag.

Im Vordergrund der Fähranleger und die Flutmulde, dahinter der Rhein und auf der anderen Flussseite die Stadt Rees
Hier würde die Fähre abfahren, wenn nicht Montag wäre

Auf unserer Rheinseite ist es aber auch sehr hübsch. Es gibt ein paar alte, schön restaurierte Ziegelbauten, wohl ehemalige Gehöfte. In einem davon befindet sich ein angeblich sehr gutes Landhaus-Café. Montags ist es allerdings geschlossen.

Zwei alte Ziegelbauten am gegenüberliegenden Rheinufer von Rees
Hübsche alte Häuser

Neben der Fährstation sind ein paar Schautafeln zum Bau der Flutmulde aufgestellt, die wir sehr interessant und informativ finden. Der nächstgelegene Supermarkt befindet sich in einem kleinen Nachbarort mit dem schönen Namen Niedermörmter. Wir wagen die Prognose, dass er montags nicht aufhat…

Neben uns im Yachthafen WSV Xanten bei Rees stehen schöne alte Kähne und Arbeitsplattformen
Unsere Nachbarn sind auch recht dekorativ


Published inDeutschlandNiederlandeRouten

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