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Nicht barfuß in Münster

Mit dem Boot in Münster – 07. bis 09. Juni 2019

Der Stadthafen in Münster ist ein sehr ansprechender Liegeplatz inmitten ehemaliger industrieller Hafenanlagen. Einrichtungen wie Strom und Wasser gibt es hier nicht. Uns gefällt es trotzdem. Wir machen direkt unterhalb des großen Hafenkrans fest. Die gegenüberliegende Seite des Hafenbeckens, das Kneipenufer, scheint uns zu belebt. Da ist am späten Nachmittag schon alles voll mit Alkoholisierten vor den gastronomischen Großbetrieben à la After-Work-Hang-Out. Tatsächlich verschärft sich die Situation nach Eintritt der Dunkelheit nochmal deutlich, und es wird gefeiert bis nach Mitternacht. Zwei Betrunkene rudern sogar nachts mit einem Schlauchboot zu uns rüber und klopfen an den Rumpf. Ich erwäge kurz, unseren Abwassertank nach draußen zu entleeren, nehme aber dann doch Abstand von der Idee. Es sind ja nur Kinder.

Unser Boot liegt im Medienhafen Münster unter dem alten Kran, gegenüber ist die Zeile mit den ganzen Kneipen
Liegeplatz unterm Kran
Über den ganzen Medienhafen Münster spannt sich ein schöner Regenbogen
Regenbogen über dem Medienhafen
Einige alte Lagerhäuser am Stadthafen Münster sind sehr renoviert
Renovierte Lagerhäuser am Stadthafen
Unser Boot, die AWOL, von der gegenüberliegenden Seite des Stadthafens Münster aus fotografiert, darüber dramatische Wolken
AWOL mit dramatischer Stimmung

Leider ist direkt vor unserem Boot Hund-, Gänse- und Entenklo. Das bemerke ich allerdings erst, als ich in Sandalen rausgehe. Auch wandern schwer Besoffene später von der Kneipenseite auf unsere Seite des Hafenbeckens ab und legen sich in die Hundehaufen, um ihren Rausch auszuschlafen. Über Nacht lassen sich auch noch einige ernsthafte Angler in Tarnkleidung hier nieder. Angabegemäß gibt es große Zander.

Angler haben am Ufer des Stadthafens Münster ihre Zelte aufgeschlagen
Angler in Zelten
Ein mit Graffiti beschmierter Durchgang unweit des Stadthafens Münster. Aus einem Fenster hängt eine Bundesflagge
Unweit des Stadthafens – Hauptsache, die Bundesflagge hängt draußen

Die MS Günther, ein Barschiff im Stadthafen, nimmt regelmäßig Trinkwillige auf, dreht eine Runde durch den Hafen und wendet dann unmittelbar vor unserem Schiff unter heftigem Einsatz von Seitenstrahlern. Das klingt, als würde eine Kolonne Panzer vorbeifahren.

Die MS Günther, ein Party-Boot, dreht zweimal am Tag die Runde im Stadthafen Münster
Party-Günther nervt!

Der Münsteraner scheint im Allgemeinen sehr zornig zu sein. In der gesamten Stadt liegen zerbrochene Flaschen auf dem Boden, und in der Hafengegend quasi flächendeckend. Barfuß sollte man hier nicht rumlaufen. Die Hunde führen wir durchgängig an kurzer Leine, und nach dem ersten Fahrradtrip habe ich gleich wieder einen Platten. Überhaupt ist nicht nachvollziehbar, weshalb man in der Fahrradhauptstadt Deutschlands – mehr als 30% des Straßenverkehrs ist Fahrrad – überall Scherben findet. Wahrscheinlich gibt es viele Fahrradhasser. Barbara regt sich furchtbar über die pseudolinke Partycrowd auf, die zwar jede freie Fläche mit ACAB-Tags zuschmiert, aber die Pfandflaschen lieber zerschmettert, als sie den bedürftigen Flaschensammlern zu überlassen.

Am Hauptbahnhof Münster gibt es mehrere gigantische Fahrradparkplätze, die trotzdem bis zum Anschlag voll sind
Fahrradparkplatz am Hauptbahnhof – größer als in Amsterdam!
Auch die Innenstadt ist zu großen Teilen mit Fahrrädern zugeparkt
Fahrräder in der Innenstadt

Samstag ist Markttag. Am Domplatz findet der große Wochenmarkt statt. Wir sind sehr begeistert. Das ist sicherlich einer der besten Märkte, auf denen wir je waren. Das Angebot ist hochwertig und vielseitig. An die 20 Metzger und unzählige Gemüsehändler bieten ihre Waren feil. Wir decken uns mit aufregenden Nussmischungen, Käseauswahl (natürlich auch Münsterkäse) und tollem Brot ein.

Auf dem Domplatz vor dem Sankt Paulus Dom in Münster findet zweimal die Woche ein riesiger Wochenmarkt statt
Sankt Paulus Dom Münster
Ein Blick in die Käsestraße auf dem Wochenmarkt auf dem Domplatz in Münster
Markt auf dem Domplatz

Weil schon da, sehen wir uns gleich den Dom von innen an. Wir sind zunächst sehr überrascht, als wir sehen, dass eine Skulptur von unserem Mops Herrn Schmidt im Dom steht. Wir wundern uns aber nicht weiter, denn er ist ja wirklich toll.

Im Dom von Münster steht eine kleine Skulptur, die unserem schwarzen Mops sehr ähnlich sieht.
Unser Mops, Herr Schmidt, im Dom
Der Innenraum des Doms von Münster ist trotz der enormen Größe sehr freundlich
Im Dom von Münster – gefällt uns sehr gut
Ein Teil des Doms von Münster hat außergewöhnlich schöne moderne Buntglasfenster
Wunderschöne moderne Fenster

Wir sind auch angetan von der schönen Altstadt. Wie wir im alten Rathaus erfahren, wurde die Altstadt von Münster zu 92% durch alliierte Luftangriffe zerstört. Nach dem Krieg wurde mit knapper Mehrheit beschlossen, die gesamte Altstadt originalgetreu wiederaufzubauen. So krass haben wir das bisher nur in Danzig gesehen. Man hat den Eindruck, man stünde in einer mittelalterlichen Stadt, die jedoch tatsächlich keine hundert Jahre alt ist.

Die Fassaden der "Altstadt" von Münster sehen alt aus, sind aber erst nach dem zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut worden
Fassaden in der „Altstadt“ von Münster
Die Fassade dieser Kirche sieht aus, als wäre sie nur zum Teil mit dem Hochdruckreiniger gereinigt worden
Schlauch vom Hochdruckreiniger war zu kurz

Im Rathaus befindet sich auch der Friedenssaal – ebenfalls wiederaufgebaut, aber mit weitgehend originaler Einrichtung. Hier wurde im Jahr 1648 zum Ende des dreißigjährigen Krieges der Westfälische Friede geschlossen. Der Krieg begann 1618 mit dem Prager Fenstersturz. Barbara sagt, der Ort atme nicht, es fehle quasi der Hauch der Geschichte. Das liegt sicherlich an dem Wiederaufbau, denke ich mir.

Der Friedenssaal im alten Rathaus von Münster ist gut besucht. An den Wänden hängen Portraits der Vertreter der Verhandlungsdelegationen
Gedränge im Friedenssaal – Portraits der Vertreter der Verhandlungsdelegationen

Während einer langen Gassirunde mit Lisbeth dringe ich in die Docklands von Münster vor. Das sind ausgediente Hafenanlagen am Dortmund-Ems-Kanal, welche zu einem spannenden Club-Areal und Kreativraum für Street Artists umfunktioniert wurden.

In den Docklands von Münster sind all die alten Industriegebäude vollständig mit Graffiti besprüht
In den Docklands von Münster
Noch mehr Graffiti auf alten Gebäuden in den Docklands Münster
Vor der Sputnikhalle, einem Nachtclub in den Docklands

Der heutige Sonntag ist mal Museumstag. Zwei Stopps stehen auf dem Programm. Das Museum für Lackkunst von BASF klingt für uns vielversprechend. Lack finden wir toll. Wir sind allerdings von der Ausgestaltung des Museums etwas enttäuscht, keine gute Werbung für BASF. Das Museum für Stadtgeschichte ist dem hingegen sehr gut und informativ gemacht und zudem kostenlos.

Am Sonntag Nachmittag schwinge ich mich nochmal aufs Rad und fahre vom Stadthafen etwa 5 Kilometer am Dortmund-Ems-Kanal zurück Richtung Hiltrup. Auf der Hiltruper Kanalseite liegt ein verwunschener Ort. Im Wald neben dem Kanal befinden sich auf einer Länge von über 700 Metern viele alte überwucherte, scheinbar vergessene Gleisanlagen. Das hat was Endzeitliches und ist zugleich wildromantisch. Die Bäume wachsen hier direkt im Gleisbett. Ab dem Jahr 1848 verlief hier die Bahnlinie Münster Hamm. Später diente das Areal als Zwischenlager für ausgemusterte Bahnwaggons und als Abenteuerspielplatz für junge Münsteraner. Leider kann man dort mit dem Boot nicht anlegen.

In Hiltrup bei Münster sind die alten Gleisanlagen völlig vom Wald überwuchert
Nicht mehr viel los…
In Hiltrup bei Münster sind die alten Gleisanlagen völlig vom Wald überwuchert
… auf diesen Gleisen
In Hiltrup bei Münster sind die alten Gleisanlagen völlig vom Wald überwuchert; die Rammböcke an den Gleisenden stehen noch
Ende der Strecke
Ein Photo der Karte - hier kann man die Gleisanlagen finden
Hier die Gleisanlagen nochmal auf der Karte

Museum für Lackkunst, Windthorststraße 26, 48143 Münster, https://www.museum-fuer-lackkunst.de

Stadtmuseum, Salzstraße 28, 48143 Münster

Großer Wochenmarkt am Domplatz Dienstag und Samstag ab 7:30

Lecker Asia Fusion Küche im Royals & Rice, Frauenstr. 51, 48143 Münster www.royalsandrice.com/royals-rice-muenster/

Published inDeutschlandRouten

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