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Im Winter nach Norden?

Wer hatte denn diese Schnapsidee?

Und jetzt auch noch Schnee in Rotterdam! Ja, so langsam kommt die Erinnerung zurück. Es fallen uns täglich mehr Gründe ein, die uns letztes Jahr bewogen haben, vor dem Winter in Richtung Süden zu fliehen.

Wenn ich z.B. mit Herrn Schmidt auf dem Arm oder dem eifrigen Bulldog an der Leine über den morgens und abends vereisten Steg krieche, denke ich mir: „War schon schön in Marseille.“ Was für eine Aufregung, als es dort einmal für eine halbe Stunde geschneit hat – die ganze Stadt war völlig aus dem Häuschen!

Die Rotterdam City Marina liegt unter einer Schneedecke
Die AWOL im Schnee
Wenn Schnee auf dem Boot liegt, schmilzt er in Streifen ab, wo die Deckenisolierung schlecht ist
Wenn Schnee auf dem Vordeck liegt, kann man gut erkennen, wo es mit der Isolierung hapert…

Täglich mehrfach wischen wir Kondenswasser von den Fensterscheiben und vor allem den Alu-Rahmen. Bei einer Außentemperatur von -7°C, wie wir sie letzte Nacht hatten, friert das dann hübsch auf den Rahmen fest. Innen wohlgemerkt. Das wäre bestimmt besser mit isolierten Rahmen und doppelverglasten Scheiben, aber unser Boot wurde halt ursprünglich für den Sommerurlaub gebaut. An den Nachbarn sehen wir aber, dass wir nicht die einzigen mit dem Problem sind.

Die Alurahmen beschlagen bei kühlen Außentemperaturen
Hier hilft nur ständiges Wischen

Oft wird das Thema mit den einfachverglasten Fenstern dadurch gelöst, dass man eine Folie komplett übers Boot zieht. Das hilft bestimmt, ist aber ästhetisch höchst fragwürdig. Und wenn wir schon in einem so schönen Hafen liegen, möchten wir auch einen ungetrübten Blick nach draußen haben.

Unter der Persenning bilden sich ebenfalls Unmengen an Kondenswassertröpfchen, die über Nacht gefrieren. Sobald dann tagsüber die Sonne rauskommt, „regnet“ es auf den Steuerstand, die Polster und was sonst noch alles zum Schutz unter der Persenning steht.

An der Persenning bilden sich von unten Kondenswassertröpfchen
Schwitzwasser unter der Persenning

Alle drei Tage müssen wir das Schwitzwasser aus der Bilge pumpen. Wo unterhalb der Wasserlinie kein Kondenswasser in der Bilge steht, bildet sich eine dünne Schimmelschicht. Wir versuchen die Bilgen zwar sauber zu halten, aber mit drei Hunden und mindestens zwei Menschen an Bord lagert sich unweigerlich immer wieder eine organische Staubschicht ab. Im Winter wird die feucht und schimmelt.

Kondenswasser in der Bilge

Im Hafenbecken bilden sich die ersten Eisstücke. Der benachbarte Binnenhaven ist schon fast vollständig zugefroren, trotz des Tidenhubs von annähernd zwei Metern und des wahrscheinlich nicht unerheblichen Salzgehalts. In unserem Becken ist ein bisschen mehr Schwell, deshalb rechne ich nicht damit, dass sich wirklich eine Eisdecke bildet.

Auf dem Binnenhaven liegt bereits eine dünne Eisschicht
Der Binnenhaven ist schon zugefroren

Eingefroren ist allerdings das Stegwasser. Das wird hier nicht abgestellt, und wenn es so kalt ist wie jetzt, kommt einfach nichts aus der Leitung. Damit haben wir nicht gerechnet. In der Marina in Amsterdam, in der wir den Winter vor zwei Jahren verbracht haben und die zur gleichen Gesellschaft gehört wie die hiesige Marina, gab es auch zu Frostzeiten Wasser. Die Leitung unter dem Hauptsteg war beheizt. Man musste den Schlauch zwar ein bisschen weiter ziehen als normalerweise, aber das war trotzdem recht komfortabel. Vielleicht hätten wir uns vor dem Frost erkundigen sollen… 600 Liter fasst unser Frischwassertank. Die Tankuhr ist alles andere als präzise, aber ich schätze mal, so 200 Liter werden wir noch haben. Damit müssen wir halt jetzt haushalten und auf einen milden Tag hoffen.

Das Foto lässt erahnen, wie eisig es an diesem Morgen ist
Schöner, aber eisiger Morgen!

Sobald ein bisschen Wind geht, plärrt ungefähr zweimal am Tag (gerne auch mitten in der Nacht) unser Kohlenmonoxid-Alarm los. Am Anfang hat uns das noch ziemlich beunruhigt. Inzwischen wissen wir: es ist nicht unsere eigene Heizung, die diese Abgase ausstößt, sondern die vom Nachbarschiff. Durch die Lüftungsschlitze des Motorraums drückt uns der Wind die Abgaswolke dann ins Boot. Das ist wahrscheinlich nicht übermäßig gesund, allerdings sind die Geräte auch sehr sensibel. Wir erwägen, die Lüftungsschlitze auf dieser Seite vorübergehend abzudichten.

Wir sind gespannt auf unsere Stromrechnung. 35 Cent kostet die Kilowattstunde. Wir versuchen, einen wirtschaftlichen Mix aus Diesel- und Stromheizung herzustellen. 18° bis 19° C Raumtemperatur reichen mir persönlich im Allgemeinen, wenn nicht gerade meine Freundin Andrea da ist – die erfriert schlicht unter 22° C, zwischen 22° und 25° kommt sie mit Wärmflasche und Daunenjacke einigermaßen klar. Gut, dass es bei ihrem Besuch über Silvester deutlich wärmer war als jetzt!

Wemm ich friere, trinke ich heiße Brühe mit Chili
Hilft auch, wenn’s kalt ist: Heiße Gemüsebrühe mit Chiliflocken

Thomas ist gerade in Deutschland und bringt heute auf dem Rückweg meinen Fiat 500 mit. Hafenmeister Dennis hat für uns eine Parklizenz bei der Stadt beantragt. Dann heißt es wieder, alle paar Tage mit Kanistern an die Tanke fahren und Diesel nachfüllen. Aber allzu lang wird die Kältephase hier nicht anhalten hoffentlich. Wenn ich mir auf der Webcam anschaue, wie es in unserer oberbayerischen Heimat aussieht, kommt mir Holland gleich wieder viel angenehmer vor! Und dieser Mistral in Marseille war ja schon auch ziemlich fies…

Ich freue mich, dass mein Fiat 500 am Hafen steht
Jetzt ist er da, mein Herr Fiat
Published inBootslebenNiederlande

2 Comments

  1. Ui, Barbara, das tönt doch eher ungemütlich. Ich muss nun unbedingt mal runter in unsere „Eingeweide“ und eine Schimmel-Kontrolle machen! Wir wollen nächsten Winter auch im Norden, allerdings eher in Belgien, verbringen und sehe, wir müssen gründliche Abklärungen machen. Ich hoffe für euch, dass der Frühling bald kommt! Liebe Grüsse

    • Barbara Barbara

      Es hängt letztlich davon ab, wieviel organisches Material sich in der Bilge ansammeln kann. Wir brauchen die Bilge halt auch zwingend als Stauraum, deswegen lässt es sich nicht vermeiden, dass immer wieder Staub reinfällt. Ursprünglich waren auch noch Sperrholzplatten auf dem Stahl unterhalb der Wasserlinie verschraubt, die schimmeln natürlich auch im Winter. Aber es wird jetzt schon wieder milder…

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