Zum Inhalt

Festungsstadt Aigues-Mortes

18.9.2018 – Maguelone nach Aigues-Mortes – 28 km, 3 Stunden

Die Fahrt

Vor Abfahrt in Maguelone würde ich auch gerne noch die Kathedrale besuchen. Wenn wir im Sommer auf Plätzen ohne Landstrom liegen wie hier, bleibt immer einer von uns an Bord. Schließlich haben wir drei Hunde dabei und müssen sicherstellen, dass es denen nicht zu warm wird. Darum hat Thomas am Vortag seinen Ausflug alleine gemacht, und nun bin ich an der Reihe.

Laut Infotafel öffnet das Anwesen morgens um neun, und da stehe ich auch vor dem Tor. Zwanzig Minuten später sind immer noch keinerlei Aktivitäten hinter dem Zaun zu erkennen. Da der Schwimmsteg, der die Laguneninsel mit dem Festland verbindet, erst ab 10.00 Uhr in Betrieb ist, erwartet man vor diesem Zeitpunkt wohl keine Besucher. Ich kehre resigniert zum Boot zurück, und wir brechen auf.

Die Kanalstrecke ab Maguelone in Richtung Aigues-Mortes ist erst einmal nicht sonderlich reizvoll. Rechter Hand erheben sich die Bettenburgen von Palavas-les-Flots und Carnon. Hinter Carnon wird es wieder hübscher, und obwohl die Schnellstraße parallel zum Canal du Rhône à Sète verläuft, sieht man etliche Flamingo-Kolonien in den seichten Lagunen herumstehen. Auch der eine oder andere Eisvogel blitzt leuchtend blau auf.

Der Canal du Rhône à Sète muss regelmäßig ausgebaggert werden, um den gewährleisteten Tiefgang zu erhalten
Baggerarbeiten im Canal du Rhône à Sète
Ein verfallenes Haus im Étang neben dem Canal du Rhône à Sète
Am Canal du Rhône à Sète

Auf der Höhe von La Grande Motte hat es dann ein Ende mit den Lagunen, und der Rhône à Sète Kanal führt durch das Sumpfgebiet der Camargue, mit den obligatorischen weißen Pferden und allem Drum und Dran. Bloß die schwarzen Stiere ist uns die Camargue bis heute schuldig geblieben! Bei PK 25 geht es rechts nach Aigues-Mortes ab. Ein Schild weist darauf hin, dass die Durchfahrtstiefe auf diesem Abschnitt nur 1,60 m beträgt, obwohl dies in der Karte völlig anders dargestellt ist. Gut, dass wir nur einen Tiefgang von 1,25 haben.

Der Canal du Rhône à Sète führt durch das Sumpfgebiet der Camargue
Durch die Sumpflandschaft der Camargue
Les Portes du Vidourle: hier kreuzt der Vidourle den Canal du Rhône à Sète
Les Portes du Vidourle

Spannend wird dann nochmal die Brücke vor dem Hafen von Aigues-Mortes. Eine Durchfahrtshöhe können wir nirgends in der Karte finden, und ich krieche wortwörtlich im Schneckentempo untendurch, während Thomas auf dem Vorschiff steht und versucht abzuschätzen, ob wir unser Ankerlicht oder gar die Satellitenanlage abrasieren werden oder nicht. Es bleibt gerade noch eine Handbreit Platz! Natürlich könnten wir den Mast legen, aber dazu müssten wir vorher das Bimini abbauen und die Wäscheleine und so weiter und so fort…

Der Hafen von Aigues-Mortes liegt unmittelbar an der Festungsmauer
Der Hafen vor der Festungsmauer

Der Hafen unmittelbar vor den imposanten Stadtmauern sieht gut aus, aber leider auch sehr voll. Die offensichtlich für Gastlieger vorgesehenen Plätze sind für uns nicht geeignet, weil es dort nur zwei Festmachpunkte im Heckbereich gibt, aber bugseitig weder Dalben noch Bojen. Das geht für die Plastik-Mietboote, aber nicht für unser schweres Stahlschiff. Die Capitainerie ist telefonisch nicht zu erreichen.

Während wir eine Weile ratlos vor uns hindümpeln, kommen immer mehr Freizeitkapitäne, von der Neugier getrieben, aus ihren Kajüten gekrochen. Die Herren sind sich schnell einig, dass wir uns längsseits in die in meinen Augen völlig unterdimensionierte Lücke am Betonquai am Parkplatz zwängen sollen. Unter heftigem Protest manövriere ich die A.W.O.L. in die Hafenecke, und siehe da, mit tatkräftiger Unterstützung von zwei Holländern landseitig kriegen wir das Schiff in die Lücke gequetscht. Dass wir einen englischen Segler zuparken und unser Bug im rechten Winkel nur einen halben Meter vom Bug des Nachbarboots entfernt ist, scheint außer den Pinscher vom Nachbarboot und mich niemanden zu stören.

Der Hund des Nachbarn beobachtet argwöhnisch, wie wir Bug an Bug einparken
Nachbars Pinscher ist wachsam
Das Ausparken aus dieser Lücke wird eine Herausforderung
Keine Ahnung, wie ich hier wieder rauskommen soll!

Die Stadt

Wir machen eine kurze Erkundungstour durch die Stadt. Thomas ist ziemlich abgeschreckt von den Touristenhorden, aber so schlimm finde ich es gar nicht. Als wir zurückkommen, stellen wir fest, dass unsere Klimaanlage nicht richtig funktioniert – sie schaltet sich zwischendrin immer wieder ab. Da das wohl ein Anzeichen dafür ist, dass sie nicht genug Kühlwasser bekommt, müssen wir sie wohl oder übel abstellen. Den Rest des Nachmittags hecheln wir alle fünf vor uns hin, aber wenigstens bläst etwas Wind durchs Boot.

Die Porte de la Gardette ist das von Touristen am meisten genutzte Tor
Porte de la Gardette, das Haupteinfallstor für die Touristen
Die Grande Rue Jean Jaurès in Aigues-Mortes ist eine Straße mit vielen Souvenirläden
Eine der Haupt-Touristen-Straßen
Das Camargue-Kreuz symbolisiert die drei theologischen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung
Das Camargue-Kreuz steht für Glaube, Liebe und Hoffnung

Eine unangenehme Überraschung dann, als wir später mit den Hunden rausgehen: Zwar ist vor unserem Liegeplatz direkt ein Parkplatz mit Wiese dahinter, aber das scheint auch die Hood einer riesigen, agressiven Moskito-Gang zu sein! Wir sind klar in der Unterzahl und fliehen. Auch sonst ist das Mückenaufkommen, wie in der sumpfigen Camargue zu erwarten, recht hoch, insbesondere bei Sonnenauf- und -untergang.

Vom Boot aus blicken wir direkt auf die Festungsmauer von Aigues-Mortes
Aigues-Mortes in der Abendsonne

Ein weiterer Nöl-Grund für den Gatten: Wir liegen zwar praktisch unmittelbar an der Stadtmauer, aber es hat sich doch noch ausreichend Platz gefunden, zwischen Hafen und Altstadt eine Straße, ein Bahngleis und noch eine Straße zu bauen, alles feinsäuberlich mit Leitplanken getrennt. Da der Zug superleise ist, die Straßen nachts kaum befahren werden und es sogar die ganzen Rentner schaffen, über die Leitplanken zu klettern, finde ich die Situation nicht soooo schlimm. Aber klar, optimal ist es nicht.

Eine typische Altstadtgasse in Aigues-Mortes
Gasse in Aigues-Mortes
Viele Gassen der Altstadt von Aigues-Mortes münden in ein Tor
Altstadtgasse in Aigues-Mortes
Hinter den Häusern der Altstadt erhebt sich der Tour de Constance
Tour de Constance im Hintergrund
An der Place Saint-Louis findet man unzählige Cafés und Restaurants
Place Saint-Louis mit unzähligen Cafés und Restaurants
St. Louis, der heilige Ludwig, gründete Aigues-Mortes im 13. Jahrhundert
Der Stadtgründer St. Louis – Ludwig der Heilige

Am nächsten Morgen repariert Thomas die Klimaanlage sehr souverän, und wir sehen den letzten heißen Spätsommertagen entspannt entgegen. Zumindest, bis sie am nächsten Tag wieder ausfällt. Und auch bezüglich der Weiterfahrt tun sich neue Hindernisse auf, aber dazu später…

Tipps:

Notre-Dame-des-Sablons, wunderschöne gotische Kirche mit tollen zeitgenössischen Fenstern

Le Feu Ô Plumes, sehr nettes kleines Restaurant außerhalb der Altstadt mit bodenständiger Küche, leckeren Burgern und sensationellen Desserts (alles auch zum Mitnehmen). 40 Av. Frédéric Mistral, 30220 Aigues-Mortes, Tel. 04 66 93 83 55, facebook

Das nette kleine Restaurant Feu Ô Plumes außerhalb der Altstadt von Aigues-Mortes
Feu Ô Plumes

Le Saint Amour, Nummer eins bei Trip Advisor, und das zu Recht! Ganz fantastische mediterrane Küche mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, mitten in der Altstadt. Personell könnte man dort etwas besser aufgestellt sein: ein Mann in der Küche, eine Frau im Service, das ist bei voll besetztem Lokal zu wenig. Über die Einrichtung kann man auch streiten, aber auf der Terrasse sitzt es sich wunderbar. 5 Rue Sadi Carnot, 30220 Aigues-Mortes, Tel. 06 62 89 24 74, facebook

Published inRouten

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.