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Der nächste Defekt

Die Lichtmaschine diesmal oder doch wieder die Batterie?

Als wir am Morgen mit exzessivem Einsatz der Seitenstrahler aus unserer Miniparklücke in Aigues Mortes rausmanövrieren, scheint noch alles okay.

Beim Anlegen am Empfangssteg der Capitainerie im Port Camargue etwa zwei Stunden später lässt sich der Backbordmotor erst nach mehrfacher Betätigung des Abschaltknopfes abstellen. Das Ausschalten des Motors erfolgt bei uns über eine mit Magnetschalter versehene Absperrung der Dieselzufuhr zum Motor. Bei größeren Schiffsmotoren ist dies wohl üblich. Der Magnetschalter wird über einen roten Knopf am Steuerpult betätigt. Beim Drücken des Knopfes zieht der Magnet an, und das Ventil für die Kraftstoffzufuhr wird geschlossen. Dieser Mechanismus benötigt ein wenig Elektrizität, welche hier scheinbar nicht mehr zur Verfügung steht.

Mit dem roten Knopf wird der Motor abgeschaltet
Der rote Abschaltknopf

Auch der heckseitige Seitenstrahler ist tot, hat also ebenfalls keinen Saft mehr.

Als wir den Empfangssteg wieder verlassen wollen, lässt sich der Backbordmotor zudem nicht mehr starten. Wir müssen uns dann mit Steuerbordmotor und Unterstützung des Hafenservice in unsere Parklücke schieben lassen.

Sowohl der Starter des Backbordmotors als auch der Seitenstrahler am Heck ziehen ihren Strom aus dem Motorbatterieblock des Backbordmotors. Ich messe hier mit einem Voltmeter aus unserem gut ausgestatteten Werkzeugkasten. Hierbei komme ich auf widersprüchliche Ergebnisse von 0,8 bis 12,8 Volt, je nachdem, an welchen Polen ich messe. Jedenfalls werden nicht die erforderlichen 24 Volt erreicht. Da hier zwei 12 Volt Starterbatterien hintereinander geschaltet sind, verfügen unserer Starterbatterien normalerweise über 24 Volt Spannung.

Nach einigem Überlegen kommen wir zu dem Schluss, dass etwas mit einer unserer Lichtmaschinen (Drehstromgeneratoren) und/oder dem Motorbatterieblock nicht in Ordnung ist. Jeder unserer zwei Motoren verfügt über zwei Lichtmaschinen. Eine lädt jeweils den zum Motor gehörigen Motorbatterieblock. Die zweite Lichtmaschine lädt jeweils die Verbraucherbatterien (Licht, Herd, Fernseher, etc.) des Bootes.

IVECO - Diese Lichtmaschine speist den Motorbatterieblock auf der Backbordseite
Lichtmaschine des backbordseitigen Motorbatterieblocks

So kurzfristig bekommen wir keinen Zugriff auf eine neue Lichtmaschine. Ich will auch nicht zu sehr in den Eingeweiden des Motors rumpfuschen. Da wir uns obendrein ob der Ursache auch nicht völlig sicher sind, beschließen wir, einen Techniker zu Rate zu ziehen. Das ist eine gute Idee.

Der Techniker misst die Batterien durch
Der Techniker bei der Arbeit

Der Defekt ist nach einigem professionellen Durchmessen mit guten Geräten zügig gefunden und fällt als sehr ungewöhnlich auf. Die Stromleitungen zum Heckseitenstrahler und zum Starter des Backbordmotors (schwarze Leitungen) sind in der A.W.O.L. auf die Befestigungsspange des Batteriepols geschraubt. Diese Befestigung hat sich gelöst. Das war auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Wie so etwas passieren konnte, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Aus der Befestigungsspange war unter den Leitungen ein großes Stück herausgebrochen bzw. aufgrund großer Hitze herausgeschmolzen. Dadurch gab es wohl immer wieder Kontaktunterbrechungen, bis der Kontakt zwischen Leitungen und Batteriepol endgültig aufgeschmolzen und unterbrochen wurde. Vermutlich hat die starke Last beim Dauereinsatz des Heckseitenstrahlers hier eine Rolle gespielt.

Der Defekt an der Befestigungsspanne ist so nicht zu erkennen
Oben rechts die defekte Befestigungsspange – der Defekt ist so nicht erkennbar
So sieht eine neue Befestigungsspanne für den Batteriekontakt aus
Neue Befestigungsspange nach Reparatur

Was wir aus der Sache gelernt haben:

Kontakte und Leitungsführungen exakter überprüfen! Wir haben schon einmal einen Techniker gerufen, weil ein Motor nicht mehr ansprang. Wie sich damals herausstellte, hatte ich beim Rumkriechen im Maschinenraum mit meiner dicken Kiste bloß eine Leitung aus dem Anlasser gerissen. Andererseits – auf die Häufigkeit dieses Defekts angesprochen, meint der Mechaniker: „Jamais!“ – Dieser Fehler kommt also nie vor…

Kosten:

EUR 95,00 für Einsatz des Technikers und neue Befestigungsspange

Published inLernkurve

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