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Der Moskito

Seit drei Nächten jage ich einen Moskito in meiner Kabine. Ich habe alles versucht. Ich bin nun überzeugt davon: Dieser Moskito wird nur sterben, wenn er sich an mir totfrisst. Ich trinke deshalb viel Wein. Anders ist ihm nicht beizukommen.

Vor nicht allzu langer Zeit konnte ich die großen Camargue-Moskitos noch einfach mit der Hand erschlagen.

Photos aus erfolgreicheren Zeiten:

Tote Stechmücke auf meinem MacBook
Tod auf dem MacBook
In Marseille gab es Stechmücken, die so groß wie Ein-Cent-Stücke waren
In Marseille waren die Moskitos noch größer als hier

Derzeit erwische ich sie nicht mal mit einer Fliegenklatsche oder einem Handtuch. Wobei es zugegebenermaßen weniger mit der Geschwindigkeit zu tun hat. Ich hau einfach immer daneben. Vielleicht sollte ich meinen Weinkonsum doch überdenken.

Nach der erfolglosen Jagd greife ich meist resigniert zum bewährten Antibrumm Forte, ein Abwehrmittel gegen Stechmücken aus der Schweiz. Antibrumm ist sogar vom Schweizer Tropeninstitut empfohlen. Da kennen sich die Schweizer aus! Ich schmiere mir damit nur das Gesicht und die Arme ein und opfere andere Körperteile, normalerweise einen Fuß, um zusätzliche Ablenkung zu schaffen. Das fehlende Summen um die Ohren lässt mich dann hoffen: Vielleicht ist der Moskito satt.

Die Mückenstiche haben teilweise angefangen zu bluten
Thomas opfert sich für das Kollektiv…

Im Halbschlaf fantasiere ich über die Erfindung eines neuen sehr effektiven Repellents. Mücken fliegen auf Atemgase, vorwiegend CO2, und auf Körpergeruch. Bestandteile müssten also ein CO2 Spender und ein arg verschwitztes T-Shirt sein, das von mir ablenkt. Das würde ich dann zusammen in die Küche stellen, um den Moskito dorthin zu locken. Als CO2 Spender könnten vielleicht eine frisch geöffnete Flasche Perrier herhalten, denn Kohlensäure ist nichts anderes als in Wasser gelöstes CO2. Das müsste man natürlich noch alles testen.

Der Moskito im Allgemeinen ist hier in der Camargue wirklich nicht zu unterschätzen. Ich bin zwischenzeitlich auch etwas besessen von dem Thema. Es handelt sich hier vorwiegend um tag- und nachtaktive Stechmücken der Art Aedes Caspius. Manchmal fallen Fußballspiele aus, beispielsweise in Istres, einem Club der französischen dritten Liga, weil die Moskitos zu böse sind oder man in den Mückenschwärmen den Ball nicht mehr sehen kann.

Kinder dürfen in den Schulpausen in einigen Orten der Camargue nicht ins Freie wegen Gefahr für Leib und Leben. Ich hab mal folgendes gelesen: Eine weibliche Mücke saugt pro Saugvorgang etwa 0,005 Milliliter Blut. Wenn 1,2 Millionen Mücken zeitnah über einen Menschen herfallen, dann ist der Mensch blutleer. Bei Grundschulkindern reichen bereits 600.000 Mückenstiche.

Die hiesigen Mücken werden auch als Wächter der Camargue bezeichnet. Vielleicht sollten wir uns einfach beugen und wirklich endlich weiterfahren nach Norden. Nördlich von Arles, wurde uns gesagt, wären wir aus dem Gröbsten raus, aber nur bei Nordwind.

Published inBootsleben

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