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Der letzte Abschnitt auf der Rhône

Von Condrieu nach Lyon

11.10.2018 – 5 Stunden – 2 Schleusen – 41 Kilometer

Aus unserem Rhône-Lieblingshafen Les Roches-de-Condrieu brechen wir am Morgen des 11. Oktober 2018 auf in Richtung Lyon. Der Fluss ist heute sehr schön und auch etwas herbstlich. Es ist bereits morgens um 8 Uhr warm. Nochmals barfuß mit T-Shirt ist angesagt. Ein toller Tag. Wir fahren zunächst an den Weinbergen der Côte Rôti entlang, und ich bekomme Durst. 

Morgens liegt noch ein leichter Dunst über der Rhône
Die Rhône im Morgendunst
Schöner Blick auf die terrassierten Weinberge der Côte Roti
Terrassierte Weinberge der Côte Rôti

Mitten in dieser Idylle stößt Barbara plötzlich ein lautes Quieken aus. Ich bin alarmiert – was ist jetzt wieder kaputt? Aber alles ist gut, es war nur ein Freudenschrei. Das Chili-Sorgenkind Trinidad Scorpion Moruga Black, das wochenlang alle Blätter und Blüten abgeworfen hat, trägt nun tatsächlich die erste Schote!

Die Trinidad Scorpion Moruga Black Chili trägt die erste Schote
Die erste Black Scorpion-Schote

Bei Vienne halten wir an, und Barbara geht mit Xabi zum Tierarzt. Xabi hat sich beim letzten Bulldoggenkampf das Auge verletzt. Jetzt kriegt er pommade und sieht ständig aus, als hätte er geheult. Das wird aber wieder.

Bulldogge Xabi legt sich mit dem Bauch auf die kalten Fliesen, weil ihm heiß ist
Xabi muss sich nach dem weiten Marsch zum Tierarzt erstmal abkühlen

Beim Anlegen in Vienne haben wir bestes Wetter, und das Wasser ist fast spiegelglatt. Es dauert etwa eine halbe Stunde, bis sich einer dieser berüchtigten Rhône-Stürme aufbaut, und schon wird es wieder spannend.

Als wir um 11.30 h in Vienne anlegen, ist die Rhône noch völlig glatt
Der Anleger in Vienne um 11.00 h
Um 11.30 h hat in Vienne sich bereits der Sturm auf der Rhône aufgebaut
Situation in Vienne um 11.30 h

Es türmt sich eine Welle von fast einem Meter auf, da wir am Nordende eines 4 Kilometer langen, bassinartig breiten Flussabschnitts liegen. Der Sturm kommt aus Süden und drückt die Wellen direkt gegen das Heck der AWOL. Die Badeplattform wird hoch überspült, höher als ich es je erlebt habe, und die Wellen klatschen an das Heckfenster. Ich mache mir Sorgen, dass das Wasser in die Auspuffanlage der Motoren gedrückt wird und schließlich im Motorblock landet. Ich stelle die Motoren an, um das zu vermeiden. Glücklicherweise trifft Barbara dann bald ein und wir können weg hier. Nur einen Kilometer weiter, um die nächste Flussbiegung herum, ist der ganze Spuk wieder vorbei. Irre ist das und ich verstehe, weshalb gesagt wird, die Rhône sei ein sehr anspruchsvoller Fluss für Bootsfahrer.

Eines der wenigen Frachtschiffe zur Zeit: die Dartimon
Die Dartimon wird beladen

Wir versuchen einen Schlafplatz in Lyon zu finden, wohlwissend, dass es dort mit Liegeplätzen schwierig wird, jedenfalls dann, wenn man etwas wellengeschützt liegen möchte. Tatsächlich schließt der einzige Stadthafen für Freizeitbötler gnadenlos bereits am 30.09. seine Pforten für den Rest des Jahres. Das finden wir unmöglich. Wir fahren trotzdem hin und durchbrechen die Absperrung an der Hafeneinfahrt, weil wir das nicht akzeptieren können. Wir haben schließlich ein Stahlschiff mit mehr als 20 Tonnen….

Tun wir nicht. Die Capitainerie ist zwar geschlossen, aber wir finden einen Platz an der Einfahrt zum Hafen Lyon Confluence am Empfangssteg. Niemand regt sich auf. Auch das Vaporetto, ein kleines uriges Boot, welches per Shuttle das Stadtzentrum mit Confluence verbindet, parkt nachts noch neben uns. Der Kapitän winkt freundlich rüber, als ich ihm bedeute, endlich seine Scheinwerfer auszumachen, weil mich das beim Fernsehen stört.

An dieser Stelle in Lyon mündet die Saône in die Rhône
Wir erreichen Lyon und biegen in die Saône ein

Der Hafen Confluence liegt im Süden von Lyon in einem modernisierten und gentrifizierten Hafenviertel mit großem Einkaufszentrum und autonom fahrendem Nahverkehr. Im Einkaufszentrum sehe ich Vieles, was ich schon lange nicht mehr gesehen habe, einen tollen riesigen Carrefour, eine Kletterhalle, einen Starbucks, einen Apple Store und unzählige Klamottenläden. Bei Adidas kaufe ich mir schicke rote Badelatschen mit drei weißen Streifen. In meinem Alter muss man farbliche Akzente setzen, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Mit großen Augen wandle ich in meiner Jogginghose durch diese Wunderwelt. Viel moderne und sehr ansehnliche Architektur hier, die üblichen Werbeagenturen, ein Radiosender und weitere Kreativ-Offices. Alte Fabrikationshallen werden umfunktioniert und dazwischen eben die Moderne Architektur.

Wir liegen direkt vor der Capitainerie des Port Lyon Confluence
Blick auf unseren Liegeplatz vor der Capitainerie
Wir kommen am Night Club Azar und am Kulturzentrum Le Sucre vorbei
Nachtclub Azar und Kulturzentrum Le Sucre

Viele tolle Lokale gibt es hier, Sushi, Burger, Vietnamesen. Wir würden gerne Essen gehen. Barbara entdeckt aber auf dem Rasen vor der Capitainerie „Junkies“. Die pinkeln in den Fluss und fallen dabei fast über die Hafenmauer ins Wasser. Außerdem spucken sie alles voll. 20 Meter weiter unter einer Brücke läuft laut französischer Gangster Rap. Da steht eine Gang, die kleine Tütchen mit farblich unterschiedlichen Inhalten an interessierte Passanten verkauft. Zudem massiver Grasgeruch in der Luft, der nicht weichen will. Im Mülltonnenhäuschen liegen welche am Boden rum. Unter diesen Umständen wollen wir das Boot nicht alleine lassen. In erster Linie haben wir Bedenken, dass ein Zugedröhnter die Leinen vom Boot löst, die AWOL den Fluss runtertreiben lässt und sich darüber freut, ein Wesen befreit zu haben.

Hübsche Deko im Einkaufszentrum Lyon Confluence
Im Einkaufszentrum Confluence

Wir bleiben also zu Hause und braten uns die Kalbshacksteaks vom Markt in Condrieu raus. Dazu gibt es frisch gedünstete Prinzessböhnchen und Couscous. Wir genießen den Ausblick. Ist auch okay.

Das Einkaufszentrum Lyon Confluence ist nachts bunt erleuchtet
Nächtlicher Blick auf das Einkaufszentrum
Ninkasi - leckeres Craft Beer aus Lyon
Barbaras neues Lieblings-Craft Beer aus Lyon

Am nächsten Morgen fahren wir weiter. Ich stelle mich mit der Kamera an den Bug und filme die Stadtdurchfahrt durch Lyon. Wir sind alleine auf dem Fluss. Das Wasser ist fast spiegelglatt und wir gleiten durch diese wunderschöne Stadt. Von den Brücken und den Ufern winken uns die Leute zu. Das ist das beste Geburtstagsgeschenk für mich – ja, heute, 12. Oktober, werde ich 49. Ein Gratulant schreibt mir : „Genieß dein letztes Jahr als U 50“. Ich bedanke mich. Ich werde mein Bestes geben!

P.S.: Das passiert, wenn ich kurz von der Couch aufstehe, um nen Wein zu holen:

Die Bulldoggen auf der Couch: Xabi und Lisbeth
Xabi und Lisbeth setzen sich gern auf vorgewärmte Plätze

Und noch ein paar Bilder von der Fahrt durch Lyon. Sehr gerne würden wir hier mal etwas mehr Zeit verbringen!

Wir fahren auf der Saône durch Lyon Richtung Norden
Thomas filmt die Fahrt durch Lyon
Auf der Saône durch Lyon Richtung Norden
Frühmorgens durch Lyon
Auf der Saône durch Lyon Richtung Norden
Weltkulturerbe Lyon
Le Tour métallique de Fourvière in Lyon
Im Hintergrund: Der Tour Métallique de Fourvière
Auf der Saône durch Lyon
Vor Schulbeginn
Im Norden von Lyon liegt die malerische Île Barbe
Die Île Barbe im Norden von Lyon
Published inRouten

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