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Aufbruch aus Marseille

Marseille, 6. April 2018, 7.00 Uhr morgens: Alles klar zur Abfahrt. Endlich.

Wenn man unseren Stegnachbarn glauben darf, ist das Wetter nicht normal für diese Zeit, aber heute ist seit Wochen der erste Tag, an dem wir überhaupt daran denken können in See zu stechen. Wir haben noch gewisse Zweifel ob der Seetüchtigkeit unseres Bootes und bevorzugen daher eine Wellenhöhe von unter einem Meter. Eigentlich wollten wir bei Südwind überhaupt nicht fahren, aber unser Stellplatz ist ab dem 10. April anderweitig vergeben und eine Wetteränderung nicht in Sicht. Wir wollen daher das Zeitfenster eines relativ ruhigen halben Tags nutzen, um von Marseille aus nach Saintes-Maries-de-la-Mer zu fahren.

Nachdem zu unserem großen Erstaunen (Südfrankreich!) tatsächlich jemand von der Capitainerie vereinbarungsgemäß um 6.55 Uhr mit dem Schlauchboot angetuckert gekommen war und den Stegschlüssel gegen die Kaution von 20 Euro ausgetauscht hatte, steht unserer pünktlichen Abfahrt nichts mehr entgegen. Ein letzter wehmütiger Blick auf die tolle Kulisse des Vieux Ports und die darüber thronende Bonne Mère, Leinen los und ab geht’s. Die Hafenausfahrt imponiert auch nach fast vier Monaten Aufenthalt in dieser Stadt noch genauso wie beim ersten Einlaufen.

Ein Blick zurück auf die Skyline von Marseille
Skyline von Marseille

Vorhergesagt ist eine anfängliche Wellenhöhe von 0,4 m, aber die ist bereits hinter der Quaimauer deutlich überschritten. Zudem zwingt uns die Wellenrichtung zu einem südlicheren Kurs als geplant. Jeder Versuch, etwas mehr Richtung Norden zu steuern, wird mit ordentlichem Rollen des Boots bestraft, wir bewegen uns also ständig von der Küste weg statt parallel zu fahren, wie eigentlich geplant. Unsere Reisegeschwindigkeit ist mit der Welle von hinten recht gut, und wir erreichen unsere Peilungspunkte plangemäß, nur eben mit einem ordentlichen Versatz nach Süden.

Château d'If lassen wir steuerbord liegen
Ein letzter Blick auf Château d’If

9.00 Uhr. Die Wellenhöhe liegt nun bei bis zu einem Meter. Die griechische Nichte ist seekrank und verabschiedet sich von ihrem Frühstück.

10.00 Uhr. Wir befinden uns zwar in Sichtweite der Küste und können gut die Windräder auf der Landzunge vor Port-Saint-Louis erkennen, sind aber deutlich weiter draußen als uns das lieb ist. Um näher heranzukommen, müssten wir massiv kreuzen. Da für den Nachmittag eine Verdoppelung der Wellenhöhe vorhergesagt ist, muss ein Plan B her.

Die Wellenhöhe nimmt langsam zu
Der Seegang wird ungemütlicher

Thomas recherchiert und findet einen möglicherweise geeigneten Hafen im Golfe de Fos, in Port-de-Bouc. Sollte es dort nicht klappen, gäbe es im Étang de Berre notfalls weitere Yacht-Häfen. Als wir fast die Höhe der Landzunge vor Port-Saint-Louis erreicht haben, kreuzen wir in den Golfe de Fos hinein. Und siehe da, gegen die Welle ist die Fahrt gleich viel angenehmer. Die Ufer des Golfe de Fos sind von qualmenden Fabrikschloten gesäumt – idyllisch ist anders. Aber nun gut, wir haben ja einen gewissen Hang zur Industrieromantik und wollen dort auch nicht lange bleiben. Gegen 11.00 Uhr laufen wir im Yacht-Hafen von Port-de-Bouc ein und machen am Ponton d’Acceuil fest.

Am Telefon macht mich die Dame von der Capitainerie, wie üblich, erst einmal rund, weil wir nicht vorbestellt haben. Nach einigem Nachdenken fällt ihr dann doch ein Platz ein, an dem wir festmachen können. Gerettet!

Published inRouten

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